Verkaufspreis berechnen: so findest du deine Preisuntergrenze
Viele kleine Onlinehändler setzen Preise nach Gefühl: etwas unter dem Wettbewerb, mit einem Aufschlag auf den Einkauf. Das geht oft gut, bis eine Aktion, eine Retoure oder höhere Gebühren den Gewinn aufzehren. Kennst du dagegen deine Preisuntergrenze, weißt du, ab welchem Verkaufspreis ein Artikel überhaupt noch etwas übrig lässt. Die Rechnung dafür ist einfach.
Alle Kosten je Bestellung sammeln
Der Einkaufspreis ist nur ein Teil. Rechne je Bestellung auch mit diesen Posten:
- Versandkosten, die du selbst trägst, und gegebenenfalls Verpackungsmaterial
- Zahlungsgebühren, meist ein fester Betrag plus ein prozentualer Anteil
- Plattformgebühren, falls du auf einem Marktplatz verkaufst
- Rücklagen für Retouren und Mängel, die du nach eigener Erfahrung schätzt
- Werbekosten, wenn du Anzeigen schaltest
Gebühren ändern sich. Prüfe die aktuellen Bedingungen deshalb immer direkt beim Anbieter, bevor du sie in deine Rechnung übernimmst.
Vom Deckungsbeitrag zur Preisuntergrenze
Der Deckungsbeitrag ist das, was von einer Bestellung übrig bleibt, nachdem du alle Kosten abgezogen hast, die direkt an ihr hängen. Er muss deine Fixkosten decken, etwa Software, Versicherung oder Lagermiete, und am Ende deinen Gewinn ergeben. Die Preisuntergrenze ist der Verkaufspreis, bei dem der Deckungsbeitrag gerade deinem Mindestwert entspricht. Darunter verkaufst du mit Verlust.
Ein erfundenes Rechenbeispiel zur Veranschaulichung: Ein Artikel kostet im Einkauf 10 €, Versand und Verpackung betragen 4 €, die Zahlungsgebühr liegt bei 1 €. Dann hast du 15 € Kosten, noch bevor Retouren und Werbung zählen. Alles, was du darüber hinaus verlangst, trägt zum Deckungsbeitrag bei. Die Zahlen sind frei gewählt und zeigen nur den Rechenweg.
Praxistipps
- Rechne je Artikel, nicht im Durchschnitt. Ein kleiner, leichter Artikel hat ganz andere Versandkosten als ein sperriger.
- Lege einen Mindest-Deckungsbeitrag fest, zum Beispiel einen festen Betrag je Bestellung, unter den du nicht gehen willst.
- Plane Retouren ein. Schätze einen Rücklagenanteil, statt sie als Ausnahme zu behandeln.
- Achte auf Nebenkosten bei Gebühren. Manche Anbieter berechnen Umsatzsteuer auf ihre Gebühren, prüfe das für deine Situation.
- Rechne die Werbegrenze aus. Ist der Deckungsbeitrag begrenzt, darf eine Bestellung nur bis zu einem bestimmten Betrag Werbung kosten.
Der Klickpreis als Gegenprobe
Wer Anzeigen bezahlt, sollte den höchsten Klickpreis kennen, den er sich leisten kann. Er hängt von der Kaufquote ab: Wie viele Besucher kaufen? Je weniger kaufen, desto weniger darf ein einzelner Klick kosten. Schon eine grobe Rechnung verhindert, dass eine Anzeige mehr kostet, als sie einbringt.
Typische Rechenfehler
Der häufigste Fehler ist, Fixkosten zu vergessen. Ein Artikel mit kleinem Deckungsbeitrag wirkt gut, bis du merkst, dass die Monatskosten nie gedeckt werden. Rechne daher auch aus, wie viele Bestellungen du pro Monat brauchst, um deine Fixkosten zu tragen. Ein zweiter Fehler sind Preisaktionen ohne Rechnung: Ein pauschaler Rabatt schmälert nicht nur den Preis, sondern den gesamten Deckungsbeitrag, oft stärker, als man denkt.
Hinweis zur Umsatzsteuer
Ob und wie Umsatzsteuer anfällt, hängt von deiner Situation ab, etwa als Kleinunternehmer. Dazu gibt dieser Artikel keine Auskunft. Bitte kläre das mit einer Steuerberatung.
Passend dazu
Wenn du die Rechnung nicht jedes Mal von Hand führen möchtest: Der Margenblick Preisrechner ist ein Offline-Rechner im Browser für Deckungsbeitrag, Preisuntergrenze und Werbegrenze. Wer lieber in Tabellen arbeitet, findet die Kalkulationsmappe mit 50 Artikelzeilen. Beide sind Rechenhilfen. Die Methode oben funktioniert aber auch mit Stift und Taschenrechner.
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Allgemeine Informationen, keine Rechts-, Steuer- oder Gesundheitsberatung.